Stoppt Facebook und Graph Search

21. Januar 2013 | | 2 Kommentare mehr
Facebook Search Graph

Mit der Suchfunktion Graph Search erhöht Facebook die Mauer um sein Inselreich.

Achtung, pöse! Vom irrelevanten Studententreff zur börsennotierten Insel in 8 Jahren: Facebook kann das –  und noch mehr. Wie kein zweites soziales Netzwerk beherrscht es die totale Abschirmung. Seinen Nutzern verkauft es sich als hoch vernetzte Social-Media-Plattform. In Wahrheit ist es eine hinter virtuellen Mauern versteckte Welt. Die neue Graph Search soll Facebook besser durchsuchbar machen. Letztendlich wird sie nur für weiteren Mauerbau sorgen. Und das, liebe Leute, ist schlimm. Facebook muss gestoppt werden.

Graph Search kommt

Am 15. Januar 2013 präsentierte Mark Zuckerberg Graph Search. Die neue Suche liefert Suchergebnisse auf Grundlage der mit Freunden geteilten Informationen. Version 1 wird das Augenmerk dabei auf Menschen, Fotos, Orte und Interessen legen. Garniert mit allerlei Filtermöglichkeiten sind folgende Suchen denkbar:

  • Menschen: Leute, die in [Heimatstadt] wohnen und gerne laufen.
  • Fotos: Bilder aus [Stadt, Land].
  • Orte: Restaurants in [Stadt], die meine Freunde besuchten.
  • Interessen: Ego-Shooter, die Freunde und deren Freunde spielten.

Graph Search schirmt ab

Die angepriesene Suche mit Graph Search dient nur einem Zweck. Sie soll die Ahnungslosen noch fester an die Plattform binden. Mit etwas Fantasie lässt sich auch Zuckerbergs Vision erahnen: Internet ist gleich Facebook. Und Graph Search dient als weiterer Wegbereiter.

Internet ist nicht Facebook

Internet ist nicht Facebook

Gibt’s nicht? Gibt’s sehr wohl! Zuerst rollte Facebook die Like-Buttons aus. Ergebnis: Informationsmillionen wanderten hinter die blaue Facebookmauer. Anschließend erhielt die Welt Social Graph, Social Plugins und andere soziale Köder. Durch sie wurde jeder Informationshappen mit dem Facebookversum verknüpft.

Search Graph soll allem die Krone aufsetzen. Die neue Suche will Fantastilliarden von freundschaftsbestätigten Informationen findbar machen. Der Nutzer wird die Plattform aus Suchgründen nicht mehr verlassen müssen. Zumindest will ihm das Facebook vorgaukeln.

Graph Search macht dumm

Achtung Falle: Der durchschnittliche Facebooker kann das System nicht verlassen. Wie auch? Er kann es ja nicht mal richtig bedienen. Für ihn ist bereits heute Internet gleich Facebook. Er findet dort alles, was sein Laienherz begehrt: Katzencontent, Fotos von Nudelsuppe und Grillwürsten, sinnfreie Weisheiten, Geburtstagskalender, hirnrissige Spiele und vieles mehr. Otto Normalnutzer muss nicht mehr raus in die freie Internetwildbahn. Seine Informationen liefert Facebook mit Graph Search – vorverdaut, vorgekaut, vorgedacht.

So schlimm es auch ist: Graph Search wird das Meisterstück der Verfacebookung. Katzenbilder aus der Nachbarschaft, joggende Kollegen oder Urlaubsfanatiker im Nachbardorf: All das wird zu finden sein – wenn man es zu suchen weiß.

Onanistische Suche

Vorsicht! Im Gegensatz zu Baidu, Yandex oder Google durchsucht Graph Search quasi sich selbst. Übermäßige Objektivität sollte man nicht erwarten. Während weltoffene Suchmaschinen das gesamte Internet indexieren, treibt es Facebook mit Graph Search nur mit sich selbst. Und das, verehrte Leser, ist heiße Luft – mehr nicht.

Graph Search könnte ein Rohrkrepierer werden

Wer bitte braucht Graph Search? Der durchschnittliche Facebooknutzer kennt die Typen in seinem Nachrichtenstrom – persönlich. Er braucht keine Suchfunktion, um Ego-Shooter spielende Läufer zu finden. Er kennt sie bereits.

Graph Search wird der nächste Google-Killer? Das ist Blödsinn. Auf Facebook wird nur gelesen und gesucht, was die Freunde treiben. Nutzer, die E-Mail-Konten nicht einrichten und Antivirensoftware nicht installieren können, brauchen nicht mehr. Wer ernsthaft sucht, wird auch nach Graph Search offene Suchmaschinen im freien Internet nutzen. Google und Co. wird es 2014 noch geben, wetten?

Wird die semantisch interessante Suche mit Graph Search Otto Normalgesichtsbucher überfordern? Die Frage ist berechtigt.

Facebook stoppen

Warum also Facebook aufhalten? Ganz einfach: Weil 95 Prozent seiner Nutzer den verheerenden Mauerbau nicht bemerken. Wer heute denkt, Facebook sei das Internet, wird durch Graph Search in seiner falschen Meinung bestätigt. Geholfen wird ihm dadurch nicht. Ganz im Gegenteil.

Facebook und Graph Search für Unternehmen

Damit zum Fazit: Facebook testet Graph Search momentan mit ausgewählten Nutzern. Ob der handelsübliche Facebooker die neue Suche annehmen wird, steht in den Sternen. Ob Grußkarten verschickende Laien die speziellen Suchmöglichkeiten wollen, brauchen oder einsetzen, weiß man nicht. Eine Bedrohung für etablierte Suchmaschinen ist Graph Search höchst wahrscheinlich nicht.

Online-PR-Praxis-Tipp: Kümmern Sie sich jetzt um Ihren Facebookauftritt. Die Texte sind fehlerfrei? Die Fotos sehen gut aus und passen zu Ihren Aussagen? Ihre Metaangaben sind korrekt und vollständig? Sie schauen besser zweimal hin. Schwachstellen werden mit Graph Search noch schwächer.

Nach Diktat verreist.

Nein, im Ernst: Was halten Sie von Facebooks Strategie? Ist alles halb so wild oder machen Sie sich auch Sorgen?

Video: Facebook kündigt Graph Search an

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Kategorie: Social Media

Über den Autor ()

Matthias ist der Gründer des Social-Media-Presseportals Pressehof. Er beschäftigt sich mit allen Themen rund um die Online-PR. Dazu zählen Social Media, Unternehmenskommunikation, Text, Bild, SEO-Grundlagen sowie Web- und Mobile-Apps. Im weiteren Sinn auch die allgemeine Entwicklung des Internets und seiner verschiedenen Zielgruppen.

Kommentare (2)

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  1. Georg sagt:

    Ich halte von Facebook als professionellem Absatzkanal sehr wenig. Für mich ist der Verkauf in sozialen Netzen ähnlich spannend und ergiebig, wie das Vertickern von Versicherungspolicen in der Eckkneipe. Etwas anderes ist es, wenn man in der Eckkneipe munter Gespräche mithört und dann „befreundeten“ Unternehmen, also Kunden von FB, den Zugang zu vielen Daten ermöglicht. Das finde ich nicht vertrauensfördernd.

    Klar, auf Facebook ist jede Menge los. Klar, es werden Informationen gestreut wie wild. Aber mir gefällt nicht, was mit meinen Daten passieren soll. Da halte ich Google für bedeutend ehrlicher, u.a. weil die sich locker mit ihrer Suche finanzieren können. Facebook wird mE mit unseren Daten handeln _müssen_ damit die überhaupt halbwegs den mE Börsen-Phantasiewert irgendwie rechtfertigen. Auf Google ist das Online Marketing mE viel transparenter und auch ungleich zielführender für alle Beteiligten.

    Auch gebe ich schon längst nicht mehr alle interessanten Fotos oder Inhalte auf Facebook oder in anderen sozialen Netzen an. Notfalls wird schwuppdiwupp eine eigene Webseite erzeugt, die dann nur mir gehört, wo ich alles tun und lassen kann, wo meine Inhalte vollumfänglich unter meiner Kontrolle stehen und wo ich ggf. noch ein paar Euros dran verdienen kann. Sowas: http://www.curacao-urlaub.net/ ist binnen Minuten bei zig Providern für kleinstes Geld erstellt und da habe ich was von.

    Ich unterstütze auch lieber Blogger mit Anregungen als bei FB oder Xing was reinzutippen.

    • Du benennst hier das nächste große Thema. Im Grunde ist es das längst. Daten in frembestimmten Systemen stehen nicht unter unserer Kontrolle. Daten auf der eigenen Website gehören uns mit allem, was dazu gehört. Den Unterschied sollte man kennen und sein Handeln danach ausrichten.

      Google+ ist mir inzwischen aus vielerlei Gründen näher als Facebook. Dort habe ich zwar auch nicht die Kontrolle. Die technischen Zusammenhänge sind mir allerdings wesentlich sympathischer.

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