Quo vadis Social-Media-Press-Release

2006: Todd Defren präsentiert die abenteuerliche Onlineausgabe einer Pressemitteilung. Er nennt sie Social-Media-Press-Release. Videos, Fotos, RSS und andere Inhalte kombiniert er mit Pressetext. Ein wahrer Hype rund um das Social-Media-Press-Release entsteht. Heute ist es nahezu verschwunden. Der achte Teil der Serie „Pressemitteilung in der Online-PR“ ist dem Social-Media-Press-Release und dessen Werdegang gewidmet.

Quo vadis Social-Media-Press-Release

Quo vadis, Social-Media-Press-Release? Was wurde aus der Pressemitteilung 2.0?

Social-Media-Press-Release war Pressemitteilung 2.0

Das Social-Media-Press-Release war 2006 der Hit. Es brachte – Idee 1 – parallel existierende Informations- und Kommunikationskanäle baukastenartig auf einer Seite zusammen. Der handelsübliche Journalist – Idee 2 – wurde dadurch multimedial und umfassend informiert. Er sowie Blogger und andere Leser konnten – Idee 3 – die Informationen einfach teilen und verbreiten. Durch die Anreicherung des Pressetextes mit jeder Menge relevanter Zusatzinformationen köderte man – Idee 4 – die Suchmaschinen für die noch bessere Auffindbarkeit. Die einfache Kontaktaufnahme mit dem Herausgeber – Idee 5 – rundete das Social-Media-Press-Release ab.

Dieser Ansatz sorgte für Begeisterungsstürme. Online-PR-Leute sprangen jubelnd auf den Zug auf. Kommunikationsspezialisten waren kaum zu bremsen. Das Social-Media-Press-Release wurde als Pressemitteilung 2.0 gefeiert – als Wiedergeburt des klassischsten aller Instrumente der Pressearbeit.

Nein, kein Scherz, das war tatsächlich so. Um das zu verstehen, muss man die Zeit verstehen. 2006 war Google 8, Xing hieß openBC und war 3 Jahre alt. Facebook steckte im 2. Jahr und Twitter war soeben geschlüpft. Social Media als Schlagwort kannte die breite Öffentlichkeit nicht. Die Social-Media-Welt, die wir heute kennen, begann sich gerade zu formieren. Das Social-Media-Press-Release war das nächste große Ding.

Dachte man.

Doch der Erfolg blieb aus

Das Social-Media-Press-Release setzte sich nie durch. Sein stimmiger Ansatz glich die Schwächen nicht aus. Die Gründe sind schnell identifiziert:

Einerseits soll eine Pressemitteilung Journalisten/Blogger neugierig machen und die Veröffentlichung bewirken. Interesse weckt dabei immer die Botschaft – nie die Technik, die sie vermittelt. Andererseits muss die Nachricht ohne Gebrauchsanleitung an den Mann gebracht werden können. Dem entgegen stehen Informationsüberfluss und technische Anforderungen im Social-Media-Press-Release. 2006 waren garantiert 95 Prozent aller Redakteure mit dem Social-Media-Press-Release überfordert. Heute dürfte die Zahl deutlich kleiner sein. Für durchschlagenden Erfolg müsste sie sich allerdings gegen Null bewegen.

Katze neben Grablicht auf Grab am Friedhof

Idee toll, Praxistauglichkeit fraglich: Das Social-Media-Press-Release scheint begraben zu sein.

Nicht zu vergessen die Seite der Nachrichtenproduzenten: die Unternehmen. Sie investieren Zeit, Geld und Personal in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wer jemals in größeren Unternehmen tätig war, kennt das Problem. Bis Pressemeldung und Foto freigegeben sind, vergehen Tage oder Wochen.

Wer mag sich Aufwand und Zeitbedarf für ein Social-Media-Press-Release ausmalen? Zu Text und Bild gesellen sich dann Video, RSS, Teilmöglichkeiten, Präsentationen, geprüfte Links, authorisierte Zitate, Downloads und weitere Informationen. Als Ersatz für die alte Pressemitteilung rechnet sich das nicht.

Fazit: Journalisten brauchen auf den Punkt formulierte Informationen. Unternehmen sollten sie schnell und klar in der einfachsten Form liefern: als Pressemitteilung mit Foto und weiterführenden Links. Das Social-Media-Press-Release konnte diese Schnelligkeit und Einfachheit nie bieten – und scheiterte.

Was vom Social-Media-Press-Release bleibt

Das Social-Media-Press-Release mag gescheitert sein. Dennoch fanden Überreste ihren Weg in den Online-PR-Alltag. Sie stecken in den Social-Media-Newsrooms der Welt. Ein jeder funktioniert wie ein Social-Media-Press-Release. Informationen aus unterschiedlichsten Social-Media-Kanälen werden wie im Baukasten zusammengeführt und bereitgestellt.

Beispiele:

Einmal mehr bleibt die Erkenntnis, dass die Information einer Pressemitteilung im Mittelpunkt steht – und stehen muss. Die Technik ist nur das Transportmedium.

Ruhe in Frieden, Social-Media-Press-Release.

Artikelserie „Pressemitteilung in der Online-PR“

Die Artikelserie „Pressemitteilung in der Online-PR“ zeigt, wie sich Pressemitteilung und Content-Marketing clever verbinden lassen. In mehreren Artikeln wird dazu der Aufbau einer professionellen Pressemitteilung erläutert. Presseportal-Betreiber Matthias M. Meringer steuert wertvolle Profitipps aus seiner langjährigen Presseportalpraxis bei. Abgerundet wird die Artikelserie durch Ausblicke auf aktuelle Entwicklungen, Tipps, Tricks und eine Überraschung zum Schluss.

Die Artikel der Serie „Pressemitteilung in der Online-PR“ im Überblick:

  1. Die Pressemitteilung: Pressearbeit trifft clevere Online-PR
  2. Pressemitteilung schreiben: Die überlegene Überschrift
  3. Pressemitteilung schreiben: Die erklärende Einleitung
  4. Pressemitteilung schreiben: Der hinführende Hauptteil
  5. Pressemitteilung schreiben: Das fantasievolle Firmenportrait
  6. Pressemitteilung schreiben: Die perfekten Pressekontaktdaten
  7. Pressemitteilung schreiben: 48 prickelnde Profitipps
  8. Quo vadis Social-Media-Press-Release
  9. Pressemitteilung verteilen: Die klassische Pressearbeit
  10. Pressemitteilung verteilen: Online-Pressearbeit
  11. Pressemitteilung verteilen: 168 Presseportale [Download]
  12. E-Book: Pressemitteilung in der Online-PR [Download]

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Kategorie: Online-PR

Über den Autor ()

Matthias ist der Gründer des Social-Media-Presseportals Pressehof. Er beschäftigt sich mit allen Themen rund um die Online-PR. Dazu zählen Social Media, Unternehmenskommunikation, Text, Bild, SEO-Grundlagen sowie Web- und Mobile-Apps. Im weiteren Sinn auch die allgemeine Entwicklung des Internets und seiner verschiedenen Zielgruppen.

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