Online-PR-Interview mit Marie-Christine Schindler

14. September 2012 | | kommentieren mehr
Marie-Christine Schindler

Marie-Christine Schindler: PR im Social Web beginnt mit Zuhören.

Doppelpremiere: Im neunten und internationalen Interview ist die erste PR-Frau zu Gast. Die Schweizerin Marie Christine Schindler aus Zürich ist eine PR-Beraterin, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt hat. Sie gibt ihr Wissen als Buchautorin weiter und unterrichtet wissbegierige Studenten. Was die Leseratte mit wem schreibt und warum der Familienmensch Online-PR gut findet, erfahren Sie hier.

Wer sind Sie und was machen Sie beruflich?

Mein Name ist Marie-Christine Schindler, ich bin seit über 25 Jahren in der PR tätig und seit April 2010 mit meiner eigenen Agentur mcschindler.com in Zürich aktiv. Meinen Beruf habe ich in einer großen PR-Agentur von Grund auf gelernt. Begleitend zum Beruf habe ich die Ausbildungen zur eidg. dipl. PR-Beraterin und zum MAS Master in Writing and Corporate Publishing abgeschlossen.

Im Juni 2011 habe ich zusammen mit Tapio Liller im O’Reilly-Verlag PR im Social Web: Das Handbuch für Kommunikationsprofis (Affiliatelink) herausgebracht, das wegen des großen Erfolges bereits ein Jahr später in einer überarbeiteten und um zwei Kapitel erweiterten Auflage erschienen ist.

Meine Kunden berate ich in der Gesamtkommunikation, derzeit natürlich mit einem Schwerpunkt der PR im Social Web. Zudem unterrichte ich an verschiedenen Fachhochschulen.

Was haben Sie vor zehn Jahren beruflich gemacht?

2002 habe ich beim Schweizerischen Public Relations Institut SPRI in Zürich als Mitarbeiterin der Direktion gearbeitet. Ich habe den Webauftritt des Instituts verantwortet, den Aufbau des elektronischen Newsletters ebenso wie die Entwicklung des Extranets für Studenten und Dozierende. Neben PR und Marketing habe ich auch die Schreibausbildungen auf Fachhochschulniveau administrativ geleitet.

Wie würden Sie Ihre beruflichen Stärken in drei Worten beschreiben?

Analytisch, zielstrebig und umsetzungsorientiert.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Zunächst muss ich vorausschicken, dass es den typischen Arbeitstag nicht gibt, er sieht jeden Tag etwas anders aus. Idealerweise beginnt er am Morgen mit Monitoring. Nach dem Aufwachen und mit dem ersten Kaffee greife ich zu meinem Pad, öffne den RSS-Reader und lese zahlreiche Fachbeiträge, die ich über Twitter, Facebook, Google+ und wo sinnvoll an meine Kunden weitergebe. Dazu gehört auch das Bookmarken oder die Aufarbeitung in einem eigenen Blogbeitrag. Mit dazu gehört auch das Monitoring, das ich ganz spezifisch für einige Kunden betreibe.

Der Tag kann dann ganz unterschiedlich verlaufen, sei es mit Sitzungen mit Kunden und anschließender Nachbearbeitung mit einem Kontaktrapport, Textarbeit oder mit der Vorbereitung von Schulungen, Coachings oder Referaten. Über Mittag verabrede ich mich oft mit Berufskollegen, oft gibt es aber auch Termine mit Studenten, die für ihre Bachelor- oder Masterarbeiten dankbar sind, wenn sie mit mir ein Experteninterview führen können. Da ich für einen meiner Kunden auch die Mediensprecher-Funktion übernommen habe, kann es jederzeit vorkommen, dass ein Journalist eine Anfrage stellt, die es dann zu koordinieren und zu beantworten gilt.

Ich verbringe auch während dem Tag immer wieder Zeit, um in den verschiedenen sozialen Medien, vorab Twitter, zu lesen und mich mit Onlinern auszutauschen. Dazu gehört es, dass ich immer wieder neue Dienste ausprobiere, denn erst mit dem Gebrauch kann ich beurteilen, wie ich eine neue Anwendung, z. B. Branch, sinnvoll für meine Tätigkeit oder meine Kunden einsetzen kann.

Natürlich gehören zum Alltag auch allerlei administrative Büroarbeiten und Abklärungen. Dass kein Tag wie der andere abläuft, macht einen Teil des Reizes meiner Arbeit aus.

Was bedeutet Online-PR für Sie?

Zunächst mal PR-Arbeit, wie wir sie gelernt haben, die jedoch die Chancen und Möglichkeiten des Webs nutzt. Mit der Online-PR sind Unternehmen in der Kommunikation etwas autonomer geworden. Sie sind nicht mehr darauf angewiesen, Öffentlichkeit primär über die Massenmedien herzustellen, sondern sie können selber als Newsroom aktiv werden.

Die sozialen Medien bietet sehr viele Möglichkeiten, um online zusätzliche Berührungspunkte zu schaffen, einen Informationsfluss herzustellen, der auch kleinteilige Informationen zulässt, die sich dann – gleich einem Mosaik – zu einem konsistenten Gesamtbild fügen. So gelingt der Aufbau einer starken Online-Reputation.

Welche Lösungen bieten bzw. nutzen Sie in Sachen Online-PR?

Bei vielen Organisationen geht es darum, die Mitarbeiter erst einmal darauf zu sensibilisieren, was PR im Social Web bedeutet, Wirkungsweisen und Zusammenhänge aufzuzeigen. Sie sollen verstehen, dass zwar viel von Facebook gesprochen wird, dass Social Media aber mehr bedeutet, wie möglichst viele Fans auf einer Fanseite zusammenzurotten. Zumal dieser Ansatz ohnehin der falsche ist, weil die Interaktion im Mittelpunkt steht. Das bedeutet, dass ich Workshops anbiete, bei denen die Teilnehmer erfassen, dass moderne PR die drei Dimensionen integriert, crossmedial und vernetzt in sich vereint – dazu habe ich den Kommunikationswürfel erschaffen.

Dann biete ich auch gezieltes Coaching bei der Umsetzung, sei es beim Aufbau eines eigenen Monitorings, beim Texten für die Online-Kommunikation oder bei der Evaluation eines Social-Media-Newsrooms. Dann biete ich meinen Kunden einen Mehrwert, indem ich sehr eng an den Entwicklungen von bestehenden und neuen Plattformen dran bleibe und sie über die relevanten Veränderungen ins Bild setze.

Worauf sollten Unternehmen bei der eigenen Online-PR unbedingt achten?

Sie sollten PR im Social Web nicht als gesonderte Disziplin betrachten, sondern als Erweiterung der klassischen Kommunikation ins Social Web. Will heissen, wenn sie vorher nicht kommuniziert haben, werden sie auch online keine Rosen ernten.

Sie müssen einerseits inhaltlich/thematisch vorbereitet sein, also wissen was über sie und über ihre Branche gesprochen wird. PR im Social Web beginnt mit Zuhören, sprich mit Monitoring. Dann muss es ihnen gelingen, relevante Themen zu bringen und eine empathische Kommunikation zu pflegen. Sie müssen sich als Organisation mit ihren Strukturen darauf einstellen, dass die Kommunikation online vernetzt und sehr schnell läuft und dafür die notwendigen Ressourcen vorsehen.

Woran arbeiten Sie momentan?

Ich baue für einen meiner Kunden die Medienarbeit auf – also ganz klassisch. Parallel dazu erarbeite ich Unterrichtsmaterial für einen Lehrgang, in dem es darum geht, zu vermitteln, wie sich die Medienarbeit online verändert hat. Zudem betreue ich eine Bachelor-Arbeit zum Thema Anforderungen von Journalisten an einen Social-Media-Newsroom.

Sie sehen, Praxis und Weiterbildung hängen bei mir, fast schon traditionell, sehr eng zusammen. Zudem evaluiere ich ein von einem Kunden geschriebenes Konzept und plane mit ihm die nächsten Schritte für die konkrete Umsetzung. Ein anderer Kunde ist weiter, er will bis Ende Jahr sein Engagement im Social Web professionalisieren.

Was tun Sie abseits des Onlinelebens gerne?

Mir ist es ein großes Anliegen, die Kontakte, die ich online knüpfe, bei persönlichen Treffen fortzusetzen, sei es mit Verabredungen oder an Veranstaltungen. Dann lese ich gerne Bücher und bewege mich zu jeder Zeit gerne in den Bergen an der frischen Luft bei Wandern oder Skifahren. Mittelpunkt ist meine Familie – auch wenn man das von außen nicht sieht, weil ich sie aus meiner Online-Kommunikation heraushalte.

Wer oder was inspiriert Sie – egal ob privat oder beruflich?

Da gibt es nicht „den Menschen“, der mich inspiriert. Es sind einerseits verschiedene Menschen in meiner engsten Familie, die mich lange und gut kennen und mir auch ehrlich ihre Meinung sagen. Dann sind es aber die vielen Menschen auf Twitter, Facebook oder Google+ und Blogger, die mir durch ihre Herangehensweise an ein Thema neue Perspektiven und Blickwinkel eröffnen.

Herzlichen Dank für das erste internationale Interview bei Online-PR-Praxis, Frau Schindler.

Online ist die Schweizer PR-Frau und Buchautorin auf diesen Kanälen vertreten:

Website: http://www.mcschindler.com
Twitter: mcschindler
Google+:  https://plus.google.com/u/0/113011266950439965709

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Kategorie: Online-PR-Interview

Über den Autor ()

Matthias ist der Gründer des Social-Media-Presseportals Pressehof. Er beschäftigt sich mit allen Themen rund um die Online-PR. Dazu zählen Social Media, Unternehmenskommunikation, Text, Bild, SEO-Grundlagen sowie Web- und Mobile-Apps. Im weiteren Sinn auch die allgemeine Entwicklung des Internets und seiner verschiedenen Zielgruppen.

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