Innenminister Dr. Friedrich löscht Kommentare – mit Recht

Kommentare zählen zum Urschleim des Internets. Sie sind Bestandteil sozialer Netzwerke, Foren und Blogs. Ursuppig ist auch die Diskussion zum Umgang mit ihnen. Sollte man unpassende oder zusammenhanglose Kommentare löschen oder dulden? Löschen, sagt Online-PR-Praxis. Als Beispiel dient ein gelöschter Kommentar auf einer Facebookseite des Bundesministers des Innern, Dr. Hans-Peter Friedrich.

Dr. Hans-Peter Friedrich MdB, Bundesminister des Innern © Henning Schacht

Dr. Hans-Peter Friedrich MdB, CSU, Bundesminister des Innern © Henning Schacht

Kommentare sind Dialog

Wer glaubt, Kommentare seien seit den Anfängen des Bloggens in, irrt. Kommentare gab es bereits in den 1980ern in den ersten Bulletin-Board-Systems – in Deutschland Mailboxen genannt. Heute wie damals beflügelten sie Kommunikation und Dialog.

Kommentare sind Herzchen und Waffe

Wer online gerne diskutiert und sich austauscht, kommentiert. Wer gerne mal stänkert oder provoziert – ebenso. Bis hierher ist alles in Ordnung. Problematisch wird es, wenn zusammenhanglose oder inhaltlich nicht passende Kommentare zu Beiträgen erscheinen. So geschehen auf einer Facebookseite des deutschen Innenministers Dr. Hans-Peter Friedrich.

Eigenen Bereich sauber halten

In seiner Eigenschaft als Bundestagsabgeordneter betreibt Dr. Friedrich die Facebookgruppe „So machmer’s! Hans-Peter Friedrich 2013 für Hof/Wunsiedel„. Ein Gruppenmitglied ist Listenkandidat der Piratenpartei für den bayerischen Landtag. Der Pirat prangerte in besagter Wahlkreisgruppe von ihm vermutete Rechtsverstöße und Steuermittelverschwendung des Innenministeriums an. Zusammenhang mit dem Wahlkreis und dessen Themen: null.

Die Reaktion des Innenministers bzw. seiner Onlineredaktion war eindeutig: Der bzw. die Kommentare wurden gelöscht. Es folgte eine sinnlose Diskussion um Artikel 5 des Grundgesetzes (Meinungsfreiheit, keine Zensur).

Auf Nachfrage des Politikers aus dem Konkurrenzlager begründete Dr. Friedrich die Löschung:

Ja, wir haben ihren Beitrag gelöscht, da er erstens auf ihre Parteiseite verlinkt, zweitens diese Gruppe keine Plattform für die Wahlkampfaktivitäten ihrer Partei ist und drittens möchten wir nochmals darauf hinweisen, dass die Gruppe beschränkt ist auf Bürgerinnen und Bürger des Wahlkreises Hof/Wunsiedel und der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Friedrich sich in dieser Gruppe den Themen seines Wahlkreises widmet.

Zum Beitrag

Prima, hier wurde alles richtig gemacht. Das Ansinnen des Piraten darf getrost als absichtlich störend und ohne Bezug zur Gruppe eingestuft werden. Dr. Friedrich und seine Redaktion handelten richtig und löschten die Kommentare. Die Begründung ist plausibel und nachvollziehbar.

Störende Kommentare im eigenen Online-PR-Umfeld

Bei unangebrachten, zusammenhanglosen Kommentaren ist kein Nachdenken nötig. Löschen ist das Mittel der Wahl. Scheuen Sie sich bei Ihren Projekten nicht vor diesem Schritt. Auf eigenem Territorium  müssen Sie sich nicht vorführen lassen.

Beispiel? Ganz einfach: In Ihrem Unternehmensblog kommentiert ein Konkurrent zusammenhanglos (siehe obiges Beispiel) und setzt einen Link auf seine Website. Löschen Sie solchen Mist. Das ist weder Zensur noch unfreundlich noch verwerflich. Das ist eine klare Ansage. Und das ist gut so.

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Kategorie: Social Media

Über den Autor ()

Matthias ist der Gründer des Social-Media-Presseportals Pressehof. Er beschäftigt sich mit allen Themen rund um die Online-PR. Dazu zählen Social Media, Unternehmenskommunikation, Text, Bild, SEO-Grundlagen sowie Web- und Mobile-Apps. Im weiteren Sinn auch die allgemeine Entwicklung des Internets und seiner verschiedenen Zielgruppen.

Kommentare (2)

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  1. Klaus Horn sagt:

    Es kommt letzendlich auf die Intension an, mit der man eine solche „Site“ betreibt.
    Will ein Politiker Bürgernähe zeigen, dann wird er einen solchen Beitrag nicht löschen.
    Will ein Politiker zeigen, dass ihm andersartige Meinungen nicht interessieren, dann wird er einen solchen Beitrag löschen.

    Also vor der Intension – ich bin Bundesinnenminister und Ihr habt nix zu melden bin ich der Meinung des Autors.

    Aber da scheinen wir ein gegensätzliches Demokratieverständnis zu haben deshalb empfehle ich dem bürgernahen Politiker die Lektüre der Literatur des Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim, der sich ausgiebig mit der Politikverdrossenheit in diesem Land auseinandersetzt.

    Zu dem enthält der Artikel einige Fehler – es wurde z.B nicht auf die Seite des Autors verlinkt – sondern direkt auf die direkte Pressemitteilung der Piratenpartei Deutschland, da diese die Primärquelle für den Beitrag darstellt – ich habe im Studium gelernt, dass Seriöses Arbeiten Primärquellen verlangt.

    Was in diesem Artikel leider nicht berücksichtigt wird ist die Wahl des Mediums, Friedrich wählte eine Facebookgruppe diese dienen zur Diskussion und zum Meinungsaustausch – Hätte Friedrich eine sogenannte Facebook Fanpage benutzt, dann könnte man durchaus die Meinung des Autors in bestimmten punkten teilen.

    Wer also Diskussionen zulässt und die mit der Wahl des Mediums noch fördert, muss mit kritischen Kommentaren rechnen.

    Letztendlich hat ein Thema, dass ein Dienst eines Bundesministers ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes nicht würdigt natürlich mit dem Wahlkreis zu tun – denn auch der Wahlkreis ist vom Bundesrecht betroffen.

    Abschliessend Art. 5 GG schützt auch diesen Blog – ob Diskussionen über die Bedeutung der Meinungsfreiheit sinnfrei sind wage ich zu bezweifeln.

    • Ich denke, dass die Trennung zwischen Wahlkreis auf der einen und Ministeramt auf der anderen Seite durchaus ihre Berechtigung hat. Das würde ich vermutlich genauso handhaben.

      Annahme: Ich produziere leckere Hofer Rindfleischwurst und betreibe dazu eine Seite oder Gruppe bei Facebook. Nun kommt Metzger XY (Wurstkonkurrent) und postet in der Rindfleischwurstgruppe Sachen, die mich als Mitglied eines Hofer Sportvereins betreffen. Weil er gewitzt ist und weiß, dass Provozieren immer gut ist, tut er das und verteilt gleich noch ein paar Links zu Konkurrenzangeboten.

      Was würde ich tun? Löschen, ohne mit der Wimper zu zucken. Begründung siehe oben im Artikel im hellgrauen Kasten. Ich gebe dem Konkurrenten doch nicht auf meinem Terrain Gelegenheit zur Selbstdarstellung. ;-)

      Die Mär von allzeit und allerorts zu duldenden Beiträgen ist – eine Mär.

      Nicht ganz sicher bin ich mir beim Grundgesetz. Regelt es nicht die Beziehungen des Staates zu seinen Einwohnern und umgekehrt? Zensur wäre es demnach, wenn Presseartikel/TV-Beiträge u. ä. durch staatlichen Einfluss geändert oder verhindert würden. Die Löschung von Kommentaren sehe ich da nicht. Aber wie gesagt: Ich bin kein Jurist.

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